Nur Bares ist Wahres, oder?

Manche lieben es, manche hassen es, viele denken nicht groß darüber nach…aber im Frühjahr 2015 schaffte es die Diskussion, ob es nicht doch von Seiten der Regierung, der Bundesbank oder diverser diese Institutionen beratenden Wirtschaftswissenschaftler mittelfristig Bestrebungen in Richtung Abschaffung des Zahlungsmittels Bargeld gäbe, zumindest kurz in die Medien und somit in die öffentliche Wahrnehmung. Und da bildete ich mir doch recht schnell meine Meinung, nämlich dass die Option der totalen (staatliche) Kontrolle über jegliche private Zahlungsströme irgendwie auch nicht so verlockend klingt. Und das, obwohl ich persönlich sehr gerne und häufig eine gut sichtbare digitale Spur lege, wenn es ums Bezahlen geht – ich habe nämlich überhaupt kein Faible für Bargeld!

Allerdings aus einem ganz banalen aber doch sehr vielsagenden Grund: da ich mich für einen eher schusseligen, leicht ablenkbaren oder gedanklich schnell abschweifenden Menschen halte, befürchte ich ständig, Bargeld zu verlieren. Was dann übrigens auch oft tatsächlich eintritt (Self fulfilling prophecy, Ick hör dir trapsen!) Alleine in der letzten Woche habe ich in Summe 50 € in schönen Scheinen verloren: einmal durch den Verlust meines Handy-Täschchens (neudeutsch: Smartphone Case) als ich im Supermarkt vor dem Regal – mit vollgepacktem Einkaufskorb hantierend- meinte, meinen Freund anrufen zu müssen, ob ich ihm was mitbringen soll. Dummerweise enthält mein Handytäschchen neben dem Handy (das ich zum Glück zum Telefonieren am Ohr hatte) auch noch immer etwas Bargeld als Notfallreserve sowie – einige Visitenkarten von mir! Ich hoffte also auf einen ehrlichen Finder, der mich kontaktieren würde, nicht nur, um mir das Täschchen (samt Notfallreserve) zurückzugeben sondern auch, um bei der Gelegenheit gleich meine Dienstleistung als Money Coach in Anspruch zu nehmen. Denn jemand, der mit Geldschein-gefüllten Filztäschchen im Supermarkt um sich warf, musste ja Ahnung von der Materie haben! Leider erfüllte sich diese Hoffnung bis dato nicht, aber vielleicht meldet er/sie sich ja noch…

Und dann noch (fast schon banal) auf dem Oktoberfest (tatsächlich verloren, nicht einfach nur in Bier umgetauscht und danach Gedächtnisverlust erlitten!) durch den Klassiker: Handtasche auf der Damentoilette vergessen, kurz einsetzende Panik, dann jedoch die darin befindlichen Haustürschlüssel und Tasche beim Festzelt-Fundbüro zurückbekommen; der Finderlohn war praktischerweise auch bereits in Form der kompletten Barschaft mit entnommen worden – ich nenne es „Glück im Unglück“, denn die Wiederbeschaffung des Schlüsselbundes wäre an Zeit- Geld- und Nervenaufwand um einiges unangenehmer ausgefallen als der Verlust zweier Geldscheine! (Ganz zu schweigen vom emotionalen Wert der Handtasche, einem in Mexiko erstandenem Unikat aus im weiß-blauem Rautenmuster zusammengesetzten Tetrapak-Schnipseln…) Und ich fühlte mich wieder auf seltsame Weise bestätigt, dass Bargeld kein guter Begleiter für meine Person ist.

Ich wähne mich also subjektiv unsicherer und verlustbedroht, sobald ich Bargeld bei mir trage. Neulich hatte ich eintausend Euro cash in der Hand und mein erster Impuls, dem ich auch sofort nachgegeben habe, war dieses Geld schleunigst bei der Bank einzuzahlen. Erst als ich die Scheinchen nicht mehr in der Hand hatte, sondern stattdessen die Einzahlungsquittung, fühlte ich mich wieder richtig gut.
„Als ob es in den heutigen Zeiten (Eurokrise, Bankencrash und dazu Null- bis Negativ-Verzinsung) bei der Bank besser aufgehoben wäre!“ höre ich die Spötter rufen… Ja, lacht nur, ihr habt ja recht ;-).

Oft lese ich im Zusammenhang mit dem Thema „sein Ausgabeverhalten ändern bzw. besser reflektieren“ den Tipp: Zahlen Sie nur noch bar! Verwenden Sie kein Plastikgeld, das führt nur in die Schuldenspirale! Erleben Sie, wie anders es sich anfühlt, echte Scheine aus der Hand zu geben anstatt einfach nur eine PIN einzutippen!

Ich erlebe eher, wie anders es sich anfühlt, zwei Fünfzig Euro Scheine als unwiederbringlich verloren zu betrachten, während hingegen ein rascher Anruf bei der EC-Karten Sperr-Hotline mir lediglich Folgekosten von 10 € für die Ausstellung einer Ersatzkarte einbringt. Wenn ich solche Ratschläge lese, bin ich immer ganz froh, mein Ausgabeverhalten auch trotz deutlich mehr Plastik als Papier im Geldbeutel vernünftig im Griff zu haben, denn eine Selbstbeschränkung durch gezielten Einsatz ausschließlich von Bargeld im Alltag möchte ich mir nicht auferlegen. Und ob man sich mit Plastikgeld nun zwangsläufig in die Schuldenspirale manövriert, halte ich eher für eine Sache des Umgangs damit und dem Ausgabeverhalten des Nutzers geschuldet (Anwenderfehler sozusagen).

Gleichzeitig bin ich überzeugt davon, dass eine bewusste Nutzung von Bargeld in manchen Fällen / Situationen durchaus helfen kann, seine Achtsamkeit im Umgang mit Geld zu schärfen, eben weil es so schön konkret und greifbar ist. In einem zweiten Schritt kann dieses Bewusstsein dann auch in einen abstrakteren Rahmen überführt werden und dort helfen, sich seiner Ausgaben bewusst zu sein – egal ob diese mit Karte, Paypal oder in abgezählten Münzen erfolgen.

Genauso könnte es z.B. auch meine Lernaufgabe sein, ein wenig an meinem unentspannten Verhältnis zum Bargeld zu arbeiten – dass es mir nicht immer gleich davon flattert. Denn: worum geht es hier eigentlich? Wofür stehen diese Verlustaversion und dieses eichhörnchenhafte Bedürfnis, die schönen bunten Scheine immer gleich irgendwo „einzuzahlen“ und sie somit in etwas Abstraktes wie z.B. einen Kontostand zu verwandeln? Vielleicht sollte ich lernen, es zu genießen, mal mit einer prall gefüllten Geldbörse durch die Gegend zu spazieren – achtsam genug, diese nicht auf der nächsten Parkbank liegen zu lassen und gleichzeitig sorglos genug, nicht ständig transpirierend meine Hand- oder Gesäßtasche abzutasten, ob das Geld noch da ist….und mal etwas Abstand nehmen von meinem mir schön über die Jahre zurechtgelegten Selbstbild als „schusseliger und verpeilter Tagträumerin,die alles verliert,wo sie steht und geht“ und sich auf diese Weise elegant-charmant jeglicher Verantwortung glaubt entziehen zu können? 🙂

Kleine Anregung zur Reflexion im Alltag:
Wie geht es dir im täglichen Umgang mit Bargeld? Findest du es nervig oder praktisch?
Fasst du es gerne an oder überlegst du, wieviele Bazillen sich schon auf den Scheinchen niedergelassen haben?
Hast du Angst es zu verlieren oder befürchtest du eher, nie genug Bares dabei zu haben?
Magst du das Geklimper von Münzen oder findest du, dass sie deinen Geldbeutel bzw. deine Hosentasche nur unnötig ausbeulen?
Wie hältst du es an der Supermarktkasse:
findest du Cash cool oder Plastik praktisch?

Es lohnt sich, darüber nachzudenken – denn trotz Digitalisierung an allen Ecken und Enden sollten wir uns in unserer Gesellschaft die Möglichkeit, auch Bargeld weiterhin nutzen zu können, nicht nehmen lassen (erst recht nicht von staatlicher Seite!) – es gibt Situationen, da ist es unersetzlich und es ist letztendlich auch immer ein Stückchen Freiheit.

2 Gedanken zu “Nur Bares ist Wahres, oder?

  1. Gute Denkanstöße.
    Das liebe Bargeld…es fehlt, wenn man es an Automaten und Kassen und doch will ich es nicht missen. Nicht zuletzt weil der Umgang mit Bargeld teils vernünftiger erfolgt. Ein Blick in den leeren Geldbeutel regt wenigstens ab und zu an, sich Gedanken zu machen, wo es denn schon wieder geblieben ist…das liebe Geld.

    Liken

    1. Liebe Mitzi, da hast du recht…man sieht wenigstens dass man vorher noch mehr hatte als nach dem Stadtbummel…außer bei Leuten wie mir: ich habe alles mit Karte gezahlt und wenn das Bargeld trotzdem fehlt, tja..dann hab ichs mal wieder verloren..wahrscheinlich beim Öffnen des Geldbeutels, um die Karte zu zücken…;-)

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